Porzellan im Hinterhof Porzellanstand Ackermann München Auer Dult

Unsere Märkte: Damals und heute

Wie es begann: Märkte in den 1940iger, 1950iger und 1960iger Jahren

Porzellanstand Kriener mit Katharina Ferdinand Kriener 50iger Jahre
Porzellanverkauf auf einem Markt in späten 40iger oder frühen 50iger Jahre. Wo sich der Marktstand befunden hat, konnten wir leider nicht rekonstruieren. Es könnte aber der Markt in Bopfingen gewesen sein. Mein Großvater Ferdinand Kriener trauerte da noch seinem Beruf als Gärtner nach.
Irgendwann begann mein Großvater dann Tische für die Stände zu zimmern. Die konnten auch auseinandergenommen und in dem kleinen LKW tranportiert werden. Die Ware war den Kunden näher und die Rücken der Großeltern so entlastet.
Porzellanstand in Cannstatter Wasen mit Ferdinand Kriener 50iger Jahre
Ferdinand Kriener auf dem Cannstatter Wasen in den 50iger Jahren. Der Platz mit Volksfest war unglaublich teuer für damalige Verhältnisse, der Meter kostete 5 Mark. Die Kollegen hielten die beiden für übergeschnappt, der Erfolg gab ihnen aber recht. Das Kleingeld wurde abends in Putzeimern heimgetragen!
Stand in Nürnberg 50iger Jahre
Mein Großvater auf dem Markt in Nürnberg Anfang der 60iger Jahre. Da war die Auswahl schon größer geworden. Der Standaufbau ohne Schirm und nur mit Kisten war damals gang und gäbe. Ein kleiner runder Schirm war zwar vorhanden, wurde aber nur bei viel Sonne oder Regen aufgestellt.
Ingrid Ackermann, damals noch Kriener an einem Markstand in den 10500 iger Jahren, mit Opel Blitz

Meine Mutter Ingrid Ackermann als 15jährige auf einem Markt in der Pfalz.
Dort trank sie auf dem angeschlossen Weinfest zum ersten mal Wein – sie machte den Markt alleine.
Ihre Eltern waren auf anderen Märkten unterwegs. Im Hintergrund der Opel Blitz.

Stand in Erlangen 50iger Jahre mit amerikanischen Soldaten

Meine Großmutter Katharina war eine gute und in Grenzen risikofreudige Geschäftsfrau, mein Großvater war eher der vorsichtige Typ. Als ihr ein Kontigent Kermikvasen angeboten wurde, schlug Sie zu!
Großvater Ferdinand war entsetzt, die Rechnung hoch, doch die Vasen verkauften sich gar nicht so schlecht.
Dann kam der historische Tag, der hier auf dem Foto dokumentiert wird: Die „Amis“ kamen!
Die vielen verschiedenen Vasen stachen einem der amerikanischen Soldaten ins Auge. Seine Dienstzeit in Deutschland neigte sich dem Ende entgegen und er plante, ins zivile Leben zurückkehren. Er wollte wohl einen Blumenladen eröffnen und kaufte meiner Oma die gesamten Vasen auf einmal ab. Seine Leute holten die verpackt ab, sie kamen gleich in den Container, mit dem auch der Rest der seiner Besitztümer in die USA verschifft wurde.
Alle waren glücklich, nicht zuletzt der Großvater, der die Vasen ja schon als Ladenhüter im Lager verstauben sehen hatte.

1965 oder 1966 wurde diese Aufnahme auf der Münchner Dult gemacht. Meine Großeltern hatten einen Platz in einer der Budenreihen ergattert, denn es war damals nicht leicht, auf den größeren Märkten eine Zulassung zu bekommen. Diese Bude wurde von der Stadt gestellt und an die Marktbeschicker vermietet – das ist bis heute so geblieben. Auch heute noch gibt es die Budenreihen auf der Auer Dult. Die Porzellanbude befand sich vorne vor dem Haupteingang der Maria Hilf Kirche. Katharina Kriener war alleine auf dem Markt und ist in der Bude zu sehen. Ihr Mann war zu dieser Zeit auf verschiedenen Tagesmärkten unterwegs. Kommuniziert wurde per Telefon in der Pension (ungern gesehen) oder per Telegramm: „Bitte Kisten mitbringen – viele Kannen übrig!“ Das war der Klassiker, der auf Familienfesten immer wieder zitiert wurde.

Porzellanstand Kriener mit Katharina Kriener Auer Dult München 1966
Artikel Abendzeitung München über Auerdult vom 25. -26. August 1975

Dieser Ausschnitt fand sich beim Aufräumen von Katharina Krieners Wohnung, nachdem sie ins Altenheim gezogen war. Der Name meiner Großmutter ist hier falsch angegeben. Sie hieß Katharina und wurde aber Trina gerufen. Wahrscheinlich konnte sich das in den 1970iger Jahren keiner mehr vorstellen, dass jemand so hieß, also wurde sie im Artikel zur „Tina“. München war als Markt für seine Wettereskapaden bekannt und gefürchtet – es regnete viel und auf dem Foto trägt meine Großmutter den Regenmantel, der immer extra für den Aufbau in München gepackt wurde.

Die Legende besagt, dass sich im Mittelalter auf einer Dult zwei Makthändlerinnen böse gestritten haben. In ihrer Wut zog die eine Tandlerin ein Stück aus ihrem Sortiment und begann damit auf ihre Gegnerin einzuschlagen. Leider handelte es sich dabei um ein Kruzifx. Zur Strafe hat der Herrgott von da an die Dult mit schlechtem Wetter verfolgt. Die Kunden meinten auch recht oft: „Da habt ihr wieder das schlechte Wetter mitgebracht, immer wenn Dult ist regnet es.“

Die Namenstassen kosteten damals, im August 1970, übrigens 3 DM.

Unsere Märkte in den 1970iger und 1980iger Jahren

Porzellan am Stand Auer Dult München Namenstassen 70iger Jahre

Die Auer Dult in den 70iger Jahren. Einige Jahre hatten wir noch keine komplette Schirmabdeckung – Regen oder Schnee waren der größte Graus! Dann folgten die ersten beide Schirme, die immerhin zwei Drittel des Standes abdeckten. Nach einer verschneiten Dult im April und Mai am Anfang der 80iger Jahre wurde dann der dritte Schirm angeschafft – endlich!

Porzellanstand Stuttgarter Weihnachtsmarkt Stand am Schillerplatz 70iger Jahre

Der „alte Stand“ auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt, noch direkt auf dem Schillerplatz, und ganz ohne Bude. Jahrelang vertröstete meine Oma mit großem Charme den Marktleiter, der ihr an Herz legte, endlich eine Bude anzuschaffen. Als meine Mutter dann dazu kam, wurde die Bude tatsächlich beim Schreiner in Auftrag gegeben und stand etwa 15 Jahre an der Stelle.

Porzellanstand Stuttgarter Weihnachtsmarkt Namenstasse mit roter Schrift und Körbchen

Unser Namenstassen mit roter Schrift, die wir einige Jahre im Programm hatten. Für die Tassen wurde dann auch das Display gebaut, in dem jede Tasse zu sehen war. Das erleichterte die Suche und steigerte den Umsatz, weil die Kunden selbst die Tassen aus dem Regal nehmen konnten. Vorher lagen sie zweilagig in breiten Kisten und man musste sich durch die Tassen wühlen, um den gewünschten Namen zu finden. Das trauten sich viel Kunden nicht, so dass der Aufwand beim Verkauf der Namenstassen recht groß war.

Katharina Kriener Hauptmarkt Nürnberg Porzellanstand circa 1975

Der Markt in Nürnberg – es war eine Registrierkasse angeschafft worden. Mein Großmutter fand das erst überflüssig, war am Ende aber begeistert. Das Rechnen ging schneller und das Geld war gut aufgehoben, während sie am Stand am anderen Ende „räumen“ oder mal kurz weg musste. Die Pelzmütze war ihr Markenzeichen!

Der Weihnachtsmarkt in Stuttgart: 65 Jahre dabei – Porzellanstand Ackermann

Porzellanstand Stuttgarter Weihnachtsmarkt Stand am Schillerplatz 70iger Jahre
Das „Mini-Eck“ am Weihnachtsmarktstand in Stuttgart. Dort wurden kleine Dinge verkauft – aus Porzellan, Holz oder Kunststoff, denn es grassierte die Setzkasten-Manie. Geschirr für Puppenküchen, kusthandwerkliche Püppchen, Miniatur-Buchattrappen oder alles, was man sonst noch für den bunten Wandschmuck brauchte. Fleißig gekehrt wurde auch immer – da legten die Stuttgarter viel Wert drauf!
Porzellanstand Stuttgarter Weihnachtsmarkt Stand am Schillerplatz Anfang 90iger Jahre
Der neue Stand auf dem Weihnachtsmarkt in Stuttgart. Eine Investition von über 15.000 DM, die sich zuerst gelohnt hat, aber viele Jahre später das Aus für uns auf dem Weihnachtsmarkt bedeutete. Mit dem Argument, dass der Platz zu groß für einen Beschicker sei, wurde uns der Platz nur noch halbiert angeboten. Zusätzlich wurde von InStuttgart und Herrn Christen, die den Markt „verwalteten“, eine Menge haltloser Argumente dafür gefunden, was angeblich nicht passte. Da mussten wir schweren Herzens diesen Weihanchtsmarkt aufgeben. Und das obwohl wir in weniger als zwei Wochen über 2.000 Unterschriften unserer Kunden sammeln konnten, die sich für unseren Verbleib ausprachen.
Porzellanstand Stuttgarter Weihnachtsmarkt Stand am Schillerplatz 90iger Jahre
Der Stand auf dem Weihnachtsmarkt mit dem neuen Dachschmuck – den hatten wir selbst entworfen und angefertigt. Bei den Kunden kam er gut an und wir freuten uns darüber. Auch unser Sortiment wurde umfangreicher und änderte sich – wo wir früher kleine Dinge für Setzkästen verkauft hatten, waren jetzt Windlichthäuser zu sehen. Die hatten wir bis zum Ende im Programm. Immer wieder kamen Kunden, die uns auf Fotos ihre „Winterstädte“ zeigten, die sie mit unseren Häusern und Figuren aufgebaut hatten.
Porzellan im Hinterhof Porzellanstand Stuttgarter Weihnachtsmarkt
Weihnachtsmarkt Stuttgart, der Stand, die letzte Version. Besonders bei den asiatischen Touristen kam unsere Rentierherde sehr gut an, sie wurde oft fotografiert – besonders abends wenn sie stimmungsvoll beleuchtet war. Einen Preis für den schönsten Dachschmuck haben wir allerdings nie gewonnen. Die Konstruktion des Daches war nicht kräftig genug um zusätzliches Gewicht dort zu tragen.

Die 1990iger und Nuller Jahre: Die Werkstatt und das Sortiment wächst

Porzellan am Stand Auer Dult München Vollglasur und durchbrochene Zierteller 80iger Jahre
Die Auer Dult in den 90iger Jahren: Vollglasur und Traditionelles

Vollglasur-Porzellan war in und wir hatten diese fröhlich bunten Tassen und Teller im Programm – die wurden von der Porzellanfabrik Mitterteich für uns hergestellt. Als diese große Firma eigentlich überraschend in Konkurs ging, fiel dieser äußerst beliebte Artikel wieder aus dem Sortiment. Zuhause habe ich noch immer genug um den Frühstückstisch zu decken – aber die Teile in den Lieblingsfarben sind schon deutlich weniger geworden.
Die Auer Dult, die dreimal im Jahr stattfindet, war auch der Markt auf dem unser nostalgisches Geschirr mit Streublümchen, Röschen und Vergissmeinnicht am besten angenommen wurde. Das Sortiment war damals groß, inszwischen ist es wieder geschrumpft – aber für die Liebhaber von nostalgischen Porzellan finden sich noch immer einiges bei uns.

Porzellan im Hinterhof Laden im Hinterhof
Der Laden im Hinterhof Karolinenstraße 26/28.

Bis zum Jahr 2006 waren die Werkstatt und der Laden im lauschigen Hinterhof der Gründerzeithäuser hinter dem Fürther Hauptbahnhof zu finden. So schön der Hinterhof auch war – verkaufstechnisch war die Lage nicht ideal und der Hinterhof machte das Be- und Entladen des LKWs nicht einfacher. Als die Immobile dann verkauft wurde, zogen wir nach Nürnberg um. Das sparte Zeit und Arbeitswege und erleichterte die Vorbereitung der Märkte ganz erheblich. Ein gewisse Nostagie ist aber bis heute zurückgeblieben – und auch der Name“Porzellan im Hinterhof“.

Ingrid Ackermann auf dem Nürnberger Hauptmarkt , Porzellanstand 1970iger Jahre
Nach gelungenen Anfängen mit zeitweise zwei Ständen auf dem Nürnberger Ostermarkt und dem Herbstmarkt (hier meine Mutter ingrid Ackermann in den 70iger Jahren) gaben wir den den Stand in Nürnberg 2010 auf. Die Geschäfte waren für den hohen Aufwand nicht mehr lukrativ genug. Und durch das Ausscheiden der Seniorchefin Ingrid Ackermann war das Zusammenfallen zweier Märkte auch organistorischen nicht mehr zu bewältigen. Besonders die terminliche Überschneidung mit der Fürther Kirchweih wurde, auch wegen der nächtlichen Umbauaktionen, zu stressig.
Aufbau Porzellanstand Porzellan im Hinterhof in Erlangen, Augustmarkt
Die Erlangener Märkte sind jetzt leider auch Geschichte. Die zwei Märkte waren urpsrünglich sogenannte Marienmärkte, zu Maria Lichtmess im Februar und Maria Himmelfahrt im August. Da Erlangen protestantisch und das Umland katholisch war, galten diese Feiertage als „Bauernsonntag“, die von den Leuten aus dem ganzen Umland zum Einkauf in der Stadt genutzt worden – denn hier hatten die Läden geöffnet. Traditionell wurden den Mägden und Knechten der Arbeitsvertrag per Handschlag und Handgeld zu Lichtmess verlängert – da bot der Markt eine ideale Einkaufmöglichkeit für diese Leute, die ja meist für Kost und Logie arbeiteten und sonst kaum Bargeld in die Hand bekamen.

Von 2010 bis heute: Weniger Märkte – mehr Interverkauf

Porzellan im Hinterhof, Stand auf der Fürther Kirchweih 2018
Die Fürther Kirchweih – die lieben sogar die Nürnberger!
Unser Stand auf der Fürther Kirchweih war der letzte der dazukam. Zuerst hinter der namengebenden Michaeliskirche, dann mit kleinem, später vergrößerten Stand an der Nürnberger Straße, wurde sie zum „Aufsteiger“ unter unseren Märkten. Die Tradition, den Kinder zur Kirchweih dort etwas zu kaufen, wurde unser Vorteil – bei uns gab es schönes Geschirr für Kinder und das wurde gerne gekauft.
Langlebiger als Ballons, kalorienärmer als Nascherei, schön anzuschauen, nachhaltig und gut zu ergänzen. Das Kindergeschirr und die Namenstassen entwickelten sich auf der Fürther Michaeliskirchweih zu echten Rennern mit hohem Erinnerungswert: „Da hat mir die Oma vor Jahren die erste gekauft“ haben wir oft gehört, wenn die junge Familie ihre Namenstassen für das neueste Mitglied ergänzte.
Fürther Kirchweih Porzellan im Hinterhof Ausstecher
Auf dem Weihnachtsmark in Stuttgart und auf der Fürther Kirchweih hatten wir ein erweiteres Sortiment, das wir zum Teil auch im Internetshop beibehalten haben: Keksausstecher.
Jedes Jahr wieder war es eine besondere Bestellung, die da gemacht wurde – alle in der Werkstatt hatten Mitspracherecht bei der Zusammenstellung der Motive. Das hat sich ausgezahlt! Uns wurde von den Kunden vielfach bescheinigt, dass wir immer eine tolle Auswahl mit auch außergewöhnlichen Motiven hatten. Und schöne Plätzchen gab es dann auch häufig – schließlich mussten die Ausstecher ja ausprobiert werden, natürlich nur um den Kunden richtig gute Tipps geben zu können …
Porzellan im Hinterhof Porzellanstand Ackermann München Auer Dult
So sah unser Stand auf der Auer Dult bis 2019 aus.
Für die Herbstdult 2020 haben wir überraschend eine Zulassung bekommen – natürlich unter eingeschränkten Corona-Bedingungen. Wir werden also sehen wie es weitergeht und wie lange wir noch München auf die Dult kommen.
Das zu schreiben tut weh – denn es gibt da Jahrzehnte an Erinnerungen! Die regelmäßige Treffen mit Freunden, die in München wohnen und manchmal sogar auf dem Markt mithalfen, wenn Not an der Frau war. Wie zum Beispiel bei dem Sturm, der 2017 einen Schirm zerstörte. Oder die vielen netten Standnachbarn, unglaublich viele tolle Stammkunden, die uns über die Generationen begleitet haben, da wird es einem schon recht schwer ums Herz!
Heike Petulu am Porzellanstand in München auf der Sommer Dult 2018
Alle Erfahrungen der Märkte, alles was wir dort von den Kunden gehört haben, die vielen Anfragen, die wir für sie erfüllt haben – das begleitet uns bis heute. Wir haben auf den Märkten für den Verkauf im Internet viel gelernt.
Wir versuchen auch bei dem „Verkauf auf Distanz“ im Internet weiter anzuwenden, was uns unsere Kunden auf den Märkten vor Ort gelehrt haben. Freundlichen Umgang mit Menschen, Interesse für die Bedürfnisse der Kunden zu haben und den Willen, unseren Kunden schönes, nachhaltiges und trotzdem praktisches Geschirr zu verkaufen.
Heike macht auf dem Markt, wie in der Werkstatt immer alles toll!